So sollte sich der verantwortungsvolle (Pauschal)reisende verhalten
Gedanken zum sanften Tourismus

Reisen bildet, Reisen erweitert den Horizont. Das Zeitalter der schnellen Flugverbindungen macht es möglich innerhalb weniger Stunden selbst in die entlegensten Winkel unserer Erde zu kommen.  Je entlegener und exotischer das jeweilige Reiseziel, desto höher das Image des Reisenden bei sich daheim. Der Großteil begnügt sich damit, seinen Urlaub im "all inclusive Hotel" zu verbringen. Der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung beschränkt sich auf das Servicepersonal und die 2 x wöchentlich stattfindende Folkloreshow. Wer mehr von Land und Leuten erfahren will bucht eine Rundreise oder erkundet die nähere Umgebung auf eigene Faust.

Zwar ist der Tourismus für viele Länder ein Segen und die einzige Einnahmequelle, andererseits zerstört er die Kultur dieser Länder. Warum das so ist, oder sein könnte, möchte ich nun erläutern.

Nehmen wir mal an, wir sind in einem Land, in dem das durchschnittliche pro Kopf Einkommen € 50,- -  € 100,- beträgt. Ein freundlicher Einheimischer trägt uns den Koffer, zeigt uns den Weg oder tut uns sonst etwas Gutes. Natürlich hat er sich ein ordentliches Trinkgeld verdient.

Doch Achtung, wenn wir jetzt zwischen € 0,5 - € 2,- Trinkgeld geben, so tut uns das nicht weh, steht aber bezogen auf den dort üblichen Monatslohn in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung. Wir tragen dazu bei, daß sich eine neue Klasse bildet, die sehr schnell gelernt hat, wie man im Umfeld der Touristen, ohne Arbeit viel Geld machen kann.

In den meisten Ländern gibt es die Schulpflicht. Trotzdem fällt auf, daß während der Unterrichtszeit Massen von Kindern an den einschlägigen Plätzen auf die Touristen warten. Dunkelhäutige Kinder mit großen, traurigen, Augen wirken positiv auf den Brutpflegeinstinkt und lassen "Mama und Papa Touri" besonders tief in den Geldbeutel greifen. Hinterher hat man noch das tolle Gefühl ein gutes Werk getan zu haben. Das Gegenteil ist der Fall.
Die Kinder gehen nicht mehr zur Schule sie versäumen Abschluß und Ausbildung. Eines Tages sind sie zu groß und zu alt um die erhoffte Wirkung auf Touristen zu erzielen und ohne Ausbildung und Arbeit sind sie zu einem Leben in bitterster Armut verdammt oder rutschen in die Kriminalität.
Die Kinder bringen an einem Tag mehr Geld nach Hause wie der Vater im ganzen Monat mit harter Arbeit verdient. Die Stellung des Vaters in der Familie beginnt zu wanken. Besonders in patriarchalisch orientierten Gesellschaftssystemen bedeutet dies eine Katastrophe.

Tips:

Nie mit Geld um sich werfen, auch wenn's gut gemeint ist. Trinkgelder dem landesüblichen Durchschnittseinkommen anpassen.

Wird einem, auf die hoffentlich vorher gestellte Frage, ob man eine Person fotografieren darf eine Summe genannt, aufs Foto verzichten.

Offensichtlich schulpflichtigen Kindern während der Unterrichtszeiten grundsätzlich nichts geben. Zu anderen Zeiten verteile ich Kugelschreiber, Kaugummis und Bonbons und wenn mich der Teufel reitet, erziele ich mit "Fishermans Friend - extra stark", den ein oder anderen komischen Effekt.

Wer angesichts von Not und Armut wirklich helfen will, der findet fast überall vor Ort sozial tätige Organisationen die sich über jede Mark freuen und bei denen das Geld gut angelegt ist. Aber dazu müßte man sich dorthin begeben und das ist einem Urlauber fast nicht zuzumuten.

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