Eine kleine Lebensgeschichte

 

Es war im April 1999, als mich ein guter Freund darüber informierte, dass er mit Hilfe einer philippinischen Freundin ein italienisches Eiscafé in Cebu City aufgebaut hatte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keinen blassen Schimmer, wo dieser Ort überhaupt liegt.


Da er jedoch kein englisch sprechen konnte, und bereits 2 Monate nach Eröffnung des Cafés den Verdacht hegte, dass er nicht alles mitbekam, was in seinem Laden ablief, bat er mich rüberzukommen und mir die Sache anzusehen. Daher nahm ich umgehend Urlaub und flog nach Cebu, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen.


Bereits im Juni dann ging ich ganz rüber. Hatte meine Wohnung aufgegeben, den Job gekündigt, alles andere verkauft und so freute ich mich auf mein neues Leben. Wollte immer schon nach Südostasien.


Bei dem Geschäft handelte es sich um ein (alles in allem) 200 qm großes Eiscafé, direkt an der Ecke Osmena Blv/J. Llorente Street nahe des Fuente-Cicles in Cebu City. Die ersten Monate brummte der Laden und an so manchem Abend gab es nicht einmal mehr Stehplätze. Die Ausstattung war vom Feinsten (selbst das Klo war spitze) und das Eis von hoher Qualität. Immer häufiger wurden wir nach Möglichkeiten des Franchisings gefragt und der gute Ruf des Geschäftes drang sogar bis nach Manila durch. Wir belieferten schließlich sogar ein Geschäft in Davao City (Bastis Brew). Es lief also perfekt.


Irgendwann aber kam der Knick. Trotz intensiver Werbemassnahmen sank die Anzahl der Besucher stetig und damit auch die Einnahmen. Das Interesse nahm einfach ab. Wie mir andere Gastronomen berichteten war das wohl ein ganz normaler Effekt. Zu allem Übel bekamen wir auch nicht wie von der Stadtverwaltung besprochen, das Gelände neben dem Café, auf dem wir einen Parkplatz planten. Unsere besten Kunden waren Chinesen...die fahren jedoch lieber mit dem Auto vor. Keine Parkplätze...keine Chinesen. Und ein Umzug an einen anderen Platz kam nicht in Frage, da mein Freund bereits äußerst viel Geld in die Renovierung des Ladens investiert hatte.
Hinzu kam noch die Tatsache, dass man ja (eigentlich) kein (Einzelhandels-)Geschäft im eigenen Namen führen darf. Mein Kumpel hatte daher lediglich das Kapital gestellt und sich auf seine philippinische Bekannte verlassen. Der Laden lief auf ihren Namen und es wurden mehrere philippinische Partner mit in den Vertrag hineingenommen. Die Partnerin betrieb indes auch noch raffinierten Betrug, indem sie per Scheck und einfacher Unterschrift (diese Freiheit hatte sie sich heimlich eingeräumt) immer wieder Firmengeld für private Zwecke nutze.


Es dauerte eine Weile, bis wir langsam hinter all die kleinen versteckten Tücken kamen. Es verging etwa ein Jahr - das Geschäft lief eigentlich recht gut, aber die Einnahmen reichten nicht aus, um kostendeckend zu arbeiten.


Die Einzelteile des Eiscafés befinden sich mittlerweile wieder in Deutschland. Der Besitzer und ich ebenfalls. Mein Traum vom unbeschwerten glücklichen Leben auf den Philippinen ist damit zuende. Es wurden viele Fehler gemacht - der größte Fehler war vermutlich dort überhaupt ein Geschäft machen zu wollen. Aber wir sind heil aus der Sache rausgekommen und haben dazugelernt. Spass hat's trotz all dem Ärger auch gemacht. Ich würde aber niemals wieder versuchen ein Geschäft auf den Philippinen zu führen. Vor kurzem fragte hier jemand, was man drüben machen könnte. "Warte auf Deine Rente und lass es Dir davon drüben gutgehen", ist meiner Meinung nach der beste Vorschlag. Glaube es gibt doch wirklich schöne Ecken. Andererseits...wer stirbt schon gerne unter Palmen (Konsalik)

HeyHo...mich hat's trotzdem gut getroffen. Man kommt ja nicht drum herum...habe mich drüben in eine Arbeitskollegin verliebt. Haben ein Jahr zusammen im Café gearbeitet, sind beide im gleichen Alter (30/28) und leben jetzt zusammen in Hamburg. Nach vielen Problemen können wir hoffentlich im Herbst heiraten. Ich finde, ich hab's gut getroffen ! Hoffe den (mit einer Filipina) Verheirateten unter Euch geht's ebenso.

In diesem Sinne  

beste Grüße aus Hamburg

Martin

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