Warum ich auf den Philippinen lebe

1995 habe ich mich entschlossen zum Zeitpunkt meiner "Frühpensionierung" auf den Philippinen zu bleiben. Nach weit über 20 jahren in Asien, in 5 Ländern gewohnt, in 17 Ländern gearbeitet, war ich der Meinung, dass Deutschland für mich nicht mehr der richtige Platz ist. Ich habe dann ein Haus gekauft und mich dann auch dort am 1.5.2001 niedergelassen.

Die entscheidenden Gründe waren:
1.) warmes Klima
2.) freundliche, nicht ausländerfeindliche Umgebung
3.) viele Freunde
4.) bezahlbare Serviceleistungen
5.) gute medizinische Versorgung (zumindest im Grossraum Manila)
6.) relativ günstige Lebenshaltungskosten und Verfügbarkeit aller europäischen Dinge die man meint haben zu müssen
7.) Lebensgefährtin, die aber heute auch gerne in D. leben würde

Nun ist das sicherlich anders als wenn man von Deutschland kommt, trotzdem erlaube ich mir hier einige Ratschläge zu geben, da man natürlich den einen oder anderen kennt, der hierher gekommen ist um sich zur Ruhe zusetzen.

also,

Finanzen
grundsätzlich sollte man finanziell solide auf den Beinen stehen. Arbeit für Ausländer gibt es so gut wie gar nicht nicht, und wenn, dann so schlecht bezahlt, das man keine Lust mehr hat zu arbeiten. so verdient die Geschäftsführerin des Büros eines grosssen deutschen Einzelhändlers gerade mal 28 000 Peso und ist damit für lokalen Standart gut bezahlt. Einem eigenen Geschäft muss man abraten, auf grund des sehr schwierigen Umfeldes.

Kinder
die in Deutschland geboren sind haben auf den Phils keine Zukunft. die öffentlichen Schulsysteme sind schlecht und die privaten Schulen sind teuer.
Mein Sohn macht z.B. eine deutsche Lehre in Singapore und geht 2mal die Woche auf die deutsche Berufsschule. Hier kommen jedes Jahr ca. 1,2 Mio. Schulabgänger auf den Markt, von denen min 50 % nicht den job finden den sie brauchen/wollen.
Also auswandern erst wenn die Kinder aus dem haus sind.

Gesundheitssysteme / Krankenkassen
sind für die Allgemeinmedizin billiger als in Deutschland, in spezialbereichen aber nicht mehr. Es ist deshalb anzuraten bei einem Wechsel in die Phils, die deutsche Krankenkasse beizubehalten. da die meisten/viele Krankenkassen bei permanenten Umzug nicht versichern, kommt eigentlich nur "überwintern" in frage. Die Rechnungen z.B. für eine Krebsbehandlung liegt auch hier ganz schnell bei über 100 000 DM. und solche Rechnungen kommen im Krankheitsverlauf mehrmals.

Grundstücke / Häuser
Grundsätzlich können Ausländer keine Grundstücke erwerben. Dieses bestehende Gesetz wird auch in den nächsten Jahren nicht geändert.
D.h. Grundstücke müssen auf den Namen der Frau, oder auf den Namen von Verwandten gekauft werden. Risiken beachten. Der Propertymarkt ist während der Asian-Krise zusammengebrochen und hat sich bis heute noch nicht wieder erholt, und wird sich auch in den nächsten 2-4 Jahren nicht erholen. sicherlich können Grundstücke in Peso teurer werden. auf grund der Pesoabwertung sollte man aber immer den Kaufkurs in dm mit dem aktuellen MARKTWERT vergleichen. Der Marktwert ist der Wert zu dem ein Grundstück TATSÄCHLICH zu verkaufen ist. Im Moment ist so gut wie gar nichts zu verkaufen. Wenn man richtig hart handelt, (Angebotspreis minus 50 %) dann kann man heute sicher gut kaufen. trotzdem kann man sich mit dem Kauf Zeit lassen, es kann nur noch billiger werden. Der boden ist lt ayala land noch nicht erreicht. Ausserdem sollte man nur so viel kaufen wie man für den persönlichen Bedarf braucht. Properties eignen sich nicht zu Spekulation. Mieten kann günstiger sein.

Und dann.................
muss man auch mit den "anderen Lebenverhältnissen" eines sich nicht entwickelnden Entwicklungslandes leben können. Mit dem anderen Verständnis von Familie, wonach immer der, der vermeintlich mehr hat, auch mehr geben MUSS, ansonsten ist die Ehefrau eine schlechte Tochter/Schwester usw. ein system das den Faulen gut am leben erhält und dem Fleissigen das Leben schwer macht. Besuch kommt ohne Anmeldung, isst den Kühlschrank leer, auch das letzte Stück Leberwurst, das man sich aufgehoben hat. Und wenn man dann schlafen will, dann muss man noch irgendeinen Verwandten aus seinem eigenen Bett schmeissen. N E I N, das sind nicht meine eigenen Erfahrungen, aber man hört es im Bekanntenkreis.
Meine Lebensgefährtin hält alle ihre Verwandten auf Abstand, und als ich ein Grundstück für ein beach-house in der Nähe von Dumagette kaufen wollte, hat sie dies wegen ihrer Familie abgelehnt.

Grundsätzlich,
habe ich meine Entscheidung nicht bereut. wir haben vor einem Jahr ein 4 jähriges Mädchen adoptiert und sind ausgesprochen happy.

November 2002, Dietrich

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