Besuch im Paradies

 

 

"Anhalten, wir möchten aussteigen" Gerade habe ich mich an die "Non European Size" Sitze des Busses gewöhnt, da müssen wir raus, irgendwo im Niemandsland zwischen Victorias und Manapla. Ein schmaler Pfad führt zwischen die Zuckerrohrfelder, nirgendwo die Spur einer menschlichen Siedlung. Die Kulisse ist überwältigend. Hinter uns die Berge, vor uns Palmen und Reisfelder. Eine leichte Brise erinnert an die Nähe des Meeres und soweit das Auge reicht: Zuckerrohr, Zuckerrohr, Zuckerrohr. Auf einigen Feldern wird gearbeitet. Frisch geerntetes Zuckerrohr wird auf Lastwagen geladen, von weiter her wird das Zuckerrohr auf Wagen, die von Karabaos (philippinischer Büffel) gezogen werden, zu den Verladepunkten gebracht.

Nach mehreren Minuten Fußmarsch tauchen auf palmengesäumten Lichtungen erste Häuser auf. Nein, wir sind noch nicht am Ziel, es dauert noch 20 Minuten.

Fast schon unheimlich wölbt sich das Zuckerrohr zu einem Tunnel und taucht den Weg in diffuses Licht. Erneut stehen wir auf einer Lichtung und sehen auf Hütten unter Palmen, die am Rande eines frisch angepflanzten Feldes stehen. "Hier wohnt meine Familie, hier bin ich zu hause.", Anabelle strahlt übers ganze Gesicht.

 

Wir haben unsere Ankunft nicht angekündigt und so werden wir, bis auf ein paar neugierige Blicke, zuerst gar nicht groß beachtet. Zwei Personen, die sich der Siedlung nähern und wohl was verkaufen wollen. Doch dann erkennt man den Ausländer, kombiniert und erkennt Anabelle. Noch 20m, Anabelles Mutter ist zur Salzsäule erstarrt, in Tränen aufgelöst und sprachlos. Wir werden in eine Hütte gedrängt mir wird ein Stuhl angeboten. Aus einer Nachbarhütte bringt jemand einen Ventilator für mich. Nein Danke, nicht nötig, ich schwitze zwar furchtbar, aber ich brauche keinen Ventilator. Doch es hilft alles nichts, der Ventilator wird unmittelbar vor mir positioniert und ich kriege die volle Dosis.

Inzwischen sind aus den anderen Häusern die Bewohner zusammengelaufen. Die Erwachsenen kommen zur Begrüßung, nur die Kinder halten scheu Abstand und starren neugierig auf den Außerirdischen. Anabelle beginnt mit der Vorstellung: "Das ist meine Tante, das ist meine Cousine, das sind meine Neffen, das ist der Onkel meiner Cousine,........." , merken kann ich mir das sowieso nicht.

Jetzt kommt das Wichtigste "Pasalubong" - Geschenke, Mitbringsel. Wir haben Süßigkeiten, Cappuccinopulver, und Tee dabei und jeder bekommt etwas. Doch was sich jetzt abspielt glaubt nur der, des es selbst gesehen hat. Da wird Trauben-Nuß mit Joghurt, Sahne-Trüffel, Crispy und Zartbitter gemeinsam in den Mund geschoben, hinzu kommen 5 Werthers Original und das Ganze wird mit 2 Brausestäbchen garniert, wobei sich Alt und Jung nicht unterscheiden. Tief im Innersten denke ich an das Sprichwort von den Perlen und den Säuen.

Seit Wochen hatte mich Anabelle genervt, was sie alles mitnehmen wollte. Da wurden Listen erstellt mit über 30 Freundinnen, die alle ein Fläschchen Parfüm brauchten (ja bin ich denn ein Geldscheißer). Wir haben uns schließlich auf die 10 besten Freundinnen, Süßes für die Kinder, Cappuccino und Tee für die Erwachsenen und einen elektrischen Wasserkocher für die Mutter  geeinigt. Als guter Mensch, der ich nun mal bin, habe ich extra "Ritter Sport" gekauft, da ich annahm, daß Schokolade, die bei hohen Temperaturen ja bekanntlich schmilzt, am besten in der praktischen, verschweißten Ritter Sport Verpackung aufzubewahren ist. Auch habe ich meiner Frau gesagt, daß sie nicht alles auf einmal verteilen soll.

Eine stillende Mutter (die Cousine der Schwester der Großmutter?)  drängt sich durch die Menge. Ich fürchte schon, daß sie dem Säugling jetzt brutal die Brust entzieht und ihm Schokolade in den Mund stopft, aber nein, sie möchte selber noch was abkriegen.  Ist ja schon gut, - reicht doch für alle.

Nach 45 Min. kollektivem Fressen sind 150 Tafeln Schokolade 20 Tüten Bonbon, 20 Tüten Haribo und 25 Päckchen Brausestäbchen vernichtet. Und ich, - ich  habe wieder mal dazugelernt. Das nächste Mal kaufe ich Aldischokolade.

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